Donnerstag, 4. September 2014
Musik mit Herz, Hand und Fuss
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Samstag, 12. Juli 2014
Das Wort
Hip Hop mit Bezug zur Literatur von Dan Tice & Mr. Kramer.

https://soundcloud.com/das-wort



Freitag, 7. Februar 2014
Der kleine Paragraph
Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit ein Land, dort lebten mehr Gesetze, Verordnungen und Paragraphen, als in allen anderen Ländern zugleich. Es waren so viele, dass es überall ganz eng wurde und alle sich verhakten, in die Quere kamen und miteinander stritten. An jeder Ecke gab es Rangeleien, Streitereien und Widersprüche. Häuser, Parks und Straßen waren vollgestopft mit Regeln, Verboten und Erlässen und man wusste gar nicht, wo man hingehen sollte, um ein bisschen Ruhe zu finden.
In diesem Land lebte ein unscheinbarer Paragraph. Seine Arbeit lag tief in einem umstrittenen Gesetz, wo er als kleiner Zusatz am Rande sein Dasein fristete. Jeden Tag - besonders wenn er angewendet wurde – fragte er sich, welchen Sinn sein Leben habe. Er war ja nur ein kleines Rädchen im automatischen Getriebe eines unwichtigen Gesetzes, kein Angestellter der Menschenrechte, der Verfassung oder zumindest des Sozialgesetzbuches. Sein Arbeitgeber war ein unfreundlicher, pedantischer und verbitterter, alter Geselle. Miesepetrig und ungeheuer geizig gönnte er keiner Seele etwas und dudelte nicht das geringste Baumelnlassen derselbigen. Jeden Tag zwang er den kleinen Paragraphen hart durchzugreifen, auch wenn es sich um ein nur ganz kleines Vergehen gehandelt hatte und niemand dabei zu Schaden gekommen war. Das machte den Paragraphen traurig. Denn es tat ihm leid, so kleinkariert und engstirnig sein zu müssen und keinem damit etwas Gutes zu tun. Denn sollten Gesetze nicht genau das tun: Etwas Gutes?
Wenn es Nacht wurde und das Gesetzbuch geschlossen war, klebte der kleine Paragraph oft grübelnd im Dunkeln zwischen den Seiten und dachte über sein Leben nach. Er fühlte, dass er zu mehr berufen war, als hier zu haften und sinnlos Schwierigkeiten zu machen. Viel lieber wollte er Menschen Freude bereiten und helfen wo er konnte. So lag er Nacht für Nacht zwischen den Seiten und dachte nach, bis er irgendwann, müde und erschöpft vom traurig sein, einschlief.
Schließlich aber, in einer ausgesprochen dunklen Nacht, nach einem Tag, an dem er viele Menschen hatte unglücklich machen müssen, dachte der Paragraph so intensiv über sein Leben nach, wie noch nie zuvor. Er grübelte so lange und ausgiebig, dass er davon zunächst verzweifelt und krumm wurde wie ein Fragezeichen in Sütterlin, sich dann aber, nach weiteren eingehenden Überlegungen, reckte und streckte bis er ganz aufrecht und zuversichtlich am Papier klebte, sich abhebend wie Blindenschrift. Da bemerkte er, dass der kleine offene Bogen, sein oberer Schwung sich vom Papier gelöst hatte. Er konnte es nicht glauben und zappelte und rüttelte so fest er nur konnte und wurde ganz wütend wegen dieses verlogenen Gesetzbuchs, das ihn festhielt, das sein ganzes Leben sein wollte. Und mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, schaffte er es schließlich sich aufzubäumen und nach und nach, mit größter Anstrengung, loszureißen.
Als er zwischen den Seiten nach unten rutschte, bemerkte er, dass ein Teil von ihm abgebrochen und zurückgeblieben war. Ein Teil von ihm (der untere Bogen) würde für immer in diesem Gesetz gefangen bleiben, was ihn sehr traurig machte. Aber er fühlte sich auch leichter und beschwingter als zuvor, als hätte er einen großen Ballast abgeworfen. Er hatte seine Symmetrie verloren. So purzelte er als kleiner Paragraphenstummel aus dem Betäubungsmittelgesetz, fiel auf einen Schreibtisch und machte sich so schnell er nur konnte aus dem Staub.

Für eine gewisse Zeit reiste er als Tippfehler auf den schönsten und elegantesten Briefpapieren in allen Farben und Schriftarten um die Welt.
Eines Tages aber, er hatte es sich auf einer Ansichtskarte gemütlich gemacht, die auf dem Weg von Prag nach Wuppertal war, landete er auf dem Schreibtisch eines pensionierten Richters. Als der Paragraphenstummel erkannte, dass der Adressat ein Mann vom Fach war, der ihn ohne weiteres als einen entflohenen, wenn auch halbierten Paragraphen, hätte entlarven können, stellte er sich schnell auf den Kopf und wurde so zu einem kleinen g. Da im Text aber nirgendwo ein g fehlte, setzte er sich so unauffällig wie möglich hinter das Wort Prag.
»Hallo Papa. Hier in Pragg ist es sehr schön«, las der Richter, und fühlte sich von seiner Tochter, welche die Karte geschrieben hatte, persönlich beleidigt. Wo war sie nur wieder mit ihren Gedanken gewesen, fragte er sich. Der Pensionär, dem oft sehr langweilig war, hatte eine fürchterliche Abneigung gegen Rechtschreibfehler, gegen Fehler aller Art.
»So geht das nicht!«, schimpfte er und begann in einer seiner Schreibtischschubladen zu kramen. »Jeder Rechtsbruch erfordert eine ordentliche Ahndung«, proklamierte er einem unsichtbaren Publikum.
Er holte ein Flächchen Tipp-Ex aus der Schublade hervor, um unverzüglich mit der Korrektur zu beginnen. Der Paragraphenstummel zitterte vor Angst, als der Pinsel mit der stinkenden weißen Paste näher kam. Er zitterte so sehr, dass die Ansichtskarte sogar anfing zu vibrieren.
»Halt!«, schrie er in letzter Sekunde. »Bitte tun sie mir nichts!«
Der Richter hielt verdutzt inne. »Wer da?«, fragte er laut und sah sich im Raum um.
Der kleine Paragraphenstummel nutzte die Gelegenheit, löste sich von der Ansichtskarte, und flüchtete in einen Stapel pensionierter richterlicher Korrespondenz. Als der Richter sich erneut der Korrektur zuwenden wollte, war der Rechtschreibfehler verschwunden. Der Korrektor aber befürchtete einen Fehler in seiner eigenen Wahrnehmung, und verfiel daraufhin für den restlichen Tag ins Grübeln darüber, wie dies zu korrigieren sei. Er kam zu keiner Lösung, empfahl sich aber selbst, in Zukunft mit seinen Fehlern und den Fehlern anderer etwas nachsichtiger umzugehen.
Noch am selben Tag ließ der Paragraphenstummel sich von der Haushaltshilfe des Richters zwischen ein paar Briefen zur Postfiliale tragen. Dort landete er in einem großen Postsack. Aus Angst davor, wieder bei einem Fachmann fürs Paragraphische zu landen, kletterte er, als es Nacht geworden war, aus dem Sack heraus und schnurstracks auf ein Regal, in welchem eine Menge Pakete verstaut waren. Dort dachte er wieder über sich und sein Leben nach. Es war zwar gut, dass er dem repressiven und hässlichen Gesetzt entflohen war, sinnierte er, aber einen Sinn für sein Leben hatte er trotzdem noch nicht gefunden. Was konnte ein abgebrochener Paragraph schon tun, außer unangenehm aufzufallen?
Es vergingen drei Tage und Nächte.
Am vierten Tag wurde das Paket, auf dessen Paketschnur der Paragraphenstummel aus Langeweile gerade ein bisschen turnte, von einer Lehrerin mit freundlicher Mine abgeholt. Da der Paragraphenstummel noch immer nicht zu der Antwort gelangt war, wie er seinem Leben nun einen Sinn geben könnte, begleitete er die Lehrerin - unter dem Knoten der Paketschnur versteckt – nachhause. Wieder landete er in seinem natürlichen Habitat – auf einem Schreibtisch. Die Lehrerin stellte das Paket darauf ab und verließ den Raum. Sogleich kletterte der Paragraphenstummel vom Paket herunter, um ein wenig herumzustöbern. Am Rand des Schreibtisches lagen eine Menge Schulhefte auf einem Stapel. Gleich daneben war eines aufgeschlagen und zeigte einen Aufsatz in kindlicher Schreibschrift. Manche Worte und Buchstaben waren rot unterstrichen. Am Rand hatte die Lehrerin jeweils eine Notiz dazu hinterlassen. Das müssen aber ganz besondere Worte und Buchstaben sein, dachte der kleine Paragraphenstummel. Es schien, als könnte er hier etwas Bedeutsames tun. Er tapste auf die rechte, noch unmarkierte Seite des Heftes und sah sich um. Da waren eine Menge schöner Buchstaben und Satzzeichen! Dass sie in Schreibschrift geschrieben waren, gefiel ihm ganz besonders. Alles bekam so mehr Schwung, befand er. Am besten gefiel ihm ein Fragezeichen, das am Ende des folgenden Satzes stand:
»Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?«
Sofort ging der Paragraphenstummel zu dieser Stelle und schmiegte sich an das herrlich geschwungene Fragezeichen. Nach einer Weile döste er ein.
Einige Zeit später, es war schon dunkel, kam die Lehrerin herein, räumte das Paket zur Seite, und setzte sich an den Schreibtisch. Sie zückte den Rotstift und begann zu lesen. Der kleine Paragraphenstummel wachte auf und sah ihr dabei zu. Konzentriert und gewissenhaft studierte sie den Text, unterstrich hier und da ein Wort und machte die zugehörige Notiz am Rand. Ihre Augen bewegten sich gleichmäßig über das Papier, bis sie am Ende des besagten Satzes angekommen waren, wo der Paragraphenstummel, der sich noch immer ans Fragezeichen kuschelte, ihren Blick erwiderte. Zwischen den Augen der Lehrerin erschien eine dicke Furche.
»Was soll das denn sein?«, fragte sie leise. »Kreativität in einem Diktat?«
Der Paragraphenstummel wusste natürlich, dass er gemeinsam mit dem Fragezeichen ein Herz geformt hatte. Kein perfektes Herz, aber ein unverkennbares. Stolz wartete er darauf unterstrichen zu werden, vielleicht sogar eingekringelt, und schloss die Augen, ob seiner bevorstehenden Ehrung. Da spürte er einen gleißenden Schmerz, der ihn von unten rechts nach oben links durchfuhr!
»Aua!«, brüllte der Paragraphenstummel. »Warum hast du das getan?«
Die Lehrerin fuhr erschrocken hoch und schaute sich im Raum um. Der Paragraphenstummel betrachtete den roten Striemen, der ihn diagonal durchzog und brannte wie Feuer. »Ich wollte doch nur etwas Schönes tun!«, schimpfte er wütend und fuchtelte wild mit seinem verbliebenen oberen Schwung in der Luft herum. Als die Lehrerin ihn erblickte, schrie sie schrill auf und ließ ihre Hand auf ihn herabsausen.
»Hilfe!«, schrie der Paragraphenstummel, und machte einen Satz zur Seite. Da kam die Hand ein zweites und ein drittes Mal niedergesaust. Patsch! Patsch! Der Paragraphenstummel rannte um sein Leben, machte große Sätze über Sätze, trippelte über Buchstaben, verhakte sich mit seinem kleinen Bauch in einem ungeschickt geschriebenen f, löste sich, benutzte ein großes T als Sprungbrett und flog purzelnd durch die Luft über die Schreibtischkante hinweg in einen Papierkorb. Er landete auf einer zerknüllten Rechtsbehelfsbelehrung, auf welcher sich eine Menge anderer Paragraphen tummelten. Schnell krabbelte er zu dem nächst gelegenen und legte sich deckungsgleich darüber. Die Lehrerin schüttete den Papierkorb aus und suchte noch eine Weile nach ihm, aber seine Tarnung als das, was er nicht mehr sein wollte, rettete ihm das Leben.
Erst als die Lehrerin endlich zu Bett gegangen war, traute er sich wieder sich zu bewegen.
»Was habe ich nur falsch gemacht?«, fragte er sich laut und verzweifelt.
»Du versuchst etwas zu sein, was du nicht bist«, hörte er eine Stimme hinter sich und fuhr erschrocken herum. Der andere Paragraph, auf dem er sich versteckt hatte, schaute ihn empört an.
»Hallo«, sagte der Paragraphenstummel.
Der andere schnaubte nur verächtlich. »Du denkst wohl, du bist etwas Besseres«, sagte er herausfordernd.
»Ach nein!«, antwortete der kleine Paragraphenstummel kleinlaut. »Ich will nur etwas Gutes tun, das Menschen glücklich macht.«
»Das tun wir doch!«, riefen jetzt alle Paragraphen im Chor. »Wir zeigen den Menschen ihre Rechte und Pflichten auf! Ordnung ist das halbe Leben!«
Die vielen synchronen Stimmen waren dem kleinen Paragraphenstummel unheimlich.
»Aber ich habe mich vom Papier gelöst«, sagte er. »Und ein Teil von mir ist dort geblieben! Und jetzt bin ich etwas anderes, aber ich weiß nicht was!«
Er setzte sich schluchzend auf den Rand des Papierkorbs. Der Paragraph, auf dem er sich versteckt hatte, bekam Mitleid mit ihm, was bei einem Paragraphen nur äußerst selten vorkommen soll.
»Jetzt wein doch nicht«, sagte er. Aber der kleine Paragraphenstummel war so verzweifelt, dass er noch mehr zu schluchzen begann. »Hör mal«, sagte der andere, »versuch es doch mal in einer Bibliothek. Dort sammeln die Menschen ihr ganzes Wissen. Vielleicht findest du da heraus, wie du die Menschen glücklich machen kannst.«
Der Paragraphenstummel horchte auf. Er wischte sich die Tränen mit einem Q-Tip ab. Es klang nach einer guten Idee.
»Meinst du?«, fragte er unsicher.
»Einen Versuch ist es wert«, sagte der andere. »Wenn du dich schon vom Papier gelöst hast, kann es ja nicht schaden.«
»Dann kann es ja nicht schaden!«, riefen alle Paragraphen im Chor.

So begab sich der kleine Paragraphenstummel erneut als Tippfehler auf Reisen, kam aber nie in die Nähe einer Bibliothek. Er reiste auf Postkarten und Liebesbriefen von einem Ort zum anderen. Von Rechnungen, Juristischem und Offiziellem blieb er fern.
Eines Tages schlüpfte er in ein Couvert, in welchem ein äußerst gefühlvoller Liebesbrief steckte, der in Blindenschrift verfasst war. Die Buchstaben und Zeichen sprachen körperbetont und waren von beeindruckender Ästhetik. Wieder einmal hatte es ihm ein Fragezeichen besonders angetan. Es bestand aus zwei diagonal angeordneten Punkten und hob sich stolz vom Papier ab. Das Blindenschriftfragezeichen war glücklich mit seinem Dasein, denn, so erklärte es, man könne im Allgemeinen vielen Menschen helfen, und im Speziellen, was seinen derzeitigen Kontext anbelange, als Teil eines Liebesbriefes, das schönste Gefühl vermitteln, welches die Menschen in sich trügen. Die beiden unterhielten sich lange miteinander, denn der Brief war auf dem Weg um die halbe Welt. Als der Paragraphenstummel dem Fragezeichen erklärte, dass er auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn seines Lebens eine Bibliothek finden musste, um in ihr vielleicht die Antwort auf seine Fragen zu finden, erzählte ihm das Fragezeichen, dass gleich neben dem Haus ihres Adressaten eine wunderschöne Bibliothek beheimatet sei. Das Fragezeichen wüsste dies genau, denn die Absenderin und der Adressat pflegten regelmäßigen Schriftverkehr, weshalb es, das Fragezeichen, sich in der Gegend auskenne. Der kleine Paragraphenstummel, der die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, freute sich so sehr, dass er den einen Punkt des Fragezeichens mit seinem Ringbauch umarmte, den anderen Punkt mit seinem oberen Schwung. So schliefen sie ein, und der Paragraphenstummel träumte von einer Zukunft als etwas Besonderes.
Der Ort, an den er Tage später gelangte war warm und sonnig und es ging allgemein recht beschaulich zu. Man verabschiedete sich herzlich, und das Fragezeichen wünschte ihm Glück. Wie versprochen, lag neben dem Haus des Adressaten eine herrliche Bibliothek. Der Paragraphenstummel, der in der Zwischenzeit ein ganzes Stück an sich gewachsen war, ließ sich dort nieder und verbrachte viel Zeit zwischen den duftenden Seiten alter und kluger Bücher, bis er eines Tages in eine unscheinbar zwischen Homer und Heliodoros gerutschte Ouvertüre kletterte. Niemand weiß, um welches Stück es sich wohl gehandelt haben mag, aber als der Paragraphenstummel nach drei Tagen und Nächten endlich wieder zum Vorschein kam, war er ganz benommen vor Freude und lief so aufgeregt auf Homers Odyssee hin und her, dass eine Menge Staub aufgewirbelt wurde. Dann sprang er vom Regal und machte sich im Nu auf den Weg zu einem Schriftsetzer.
Es wurden Abdrücke genommen und Sonderzeichen aus Schubladen gekramt, Probedrucke getätigt und wieder verworfen, Schriftarten probiert und abgeändert. Doch nach einigem Hin und Her war es getan.
Als der Paragraphenstummel schließlich vor das Haus des Schriftsetzers in klares, durch einen Kirschbaum plätscherndes Sonnenlicht trat, hatte er sich in einen wunderschönen großen Notenschlüssel verwandelt. Er strahlte über die gesamte Partitur. Endlich hatte er seinen Sinn gefunden.
Bald fand er eine Anstellung in Dur, machte von nun an viele Menschen glücklich, half über manchen Kummer hinweg und genoss die Gesellschaft derer, die wie er, die Kleinkarierten hinter sich gelassen hatten.



Mittwoch, 5. Februar 2014
Rap
Ich bin Schriftsteller Schriftsetzer
Bittsteller Raptexter
Immer letzter Trendsetzer
Im Ex-Sein Weltbester
Immer da und nimmer da
Seit Jahren gesetzter
Rapmaster und Flexer
Raps Vater und Ketzer
Gangster mit Buttermesser
Deine Mutter rappt besser
Ich bleib trotzdem King Getto
Weil intelligenter und kesser

Von der Wiege bis ins Grab
An jedem auch am siebten Tag
Geht die Scheiße ein und aus
Die ich auf meinen Schultern trag
Ich formulier sie aus - Polier sie auf
Eins zwei Bier drauf - Schreib sie auf
Auf Papier, das ich nie kauf
MCs stehn drauf
MCs abzumetzeln
Doch mein Stil basiert auf
Präziseren Gesetzten
Obduzieren und schätzen
Sezieren von schlechten Texten
Amputieren von Sätzen
und schlecht gerappten Abzessen

Operation gelungen - Ein Texter tot
Min Flow durchgedrungen
Quasi Flowendoskop
Grob analog
Bohr ich Scheiße in dich rein
Die so fett ist dass du denkst dass das das fetteste Brett ist Das du je
bekommen hast
Und das auch noch umsonst.
Jetzt wirst du weggebummst
Von mir und meinen Jungs.


Wort!



Wieder ein Tag
Warum auch nicht?



Mittwoch, 29. Januar 2014
Sodom und Gomera
Als mir am 7. Januar ein alter Zigeuner (er bezeichnete sich selbst so, was mir einen politisch korrekten Shitstorm ersparen sollte) namens Melchiades, einen Riesenmagneten, welchen er an einer Kette hinter sich herzog, veräußern wollte, mit dem ich, wie der Alte behauptete, in Prenzlauer Berg Gold und andere Edelmetalle aus den Häusern reicher Menschen ziehen könnte, ich aber dankend ablehnte, katapultierte mich ebendieser alte Zigeuner in ein abstraktes Paralleluniversum voller absonderlicher Absonderlichkeiten.
Ich konnte ein Foto schießen.


Absonderlich.


Natürlich nutzte ich trotz meiner von Angst und Erstaunen gedämpften Neugier die Gelegenheit zur Forschung. Schon nach kurzer Zeit forschte ich forscher als mancher Forscher vor mir forschte. Ich entdeckte: Abstraktes, Skurriles, Obskures, Suspektes, Kryptisches, Groteskes, Aberwitziges und auch Hammerhartes!


Abstrakt und mindestens skurril.


Obskur, suspekt und reichlich kryptisch.


Grotesk und - bei genauerem Hinsehen - aberwitzig!


Zweifellos: Hammerhart.

Nach dreiwöchiger Odyssee fühlte ich mich wie Odysseus. Ithaka fand ich nicht. But Nevermind!
Der alte Zigeuner erschien schließlich in der Form eines kleinen Mädchens. Er sagte, alles sei ein fürchterliches Missverständnis gewesen, und brachte mich unversehrt zurück ins zwischenzeitlich stark erkaltete Berlin.


Der alte Zigeuner in der Form eines kleinen Mädchens.


Außerdem möchte ich an dieser Stelle auf eine Band hinweisen. Sie lag eines Morgens auf einer Bank. Ihr Name: „Ja, Panik“

http://ja-panik.com/



Montag, 30. Dezember 2013
Da kommen die alle aus sich raus bei dem schönen Wetter
10.52 Uhr

Beim Spaziergang spontan, aber intensiv über menschliche Befindlichkeiten nachdenkend, treffe ich Harry „Gettoschreck“ Kobov vorm Kiosk an der Ecke.
Die meisten Leute im Viertel haben Angst vor Harry. Geht mir nicht so. Er hat lediglich eine schlechte Kindheit genossen. Deswegen auch das Tränentattoo. Mehr nicht.

Harry (über die Straße schreiend): Mensch Keule! Alles
klar? Komm her!
Daniel: Ok. Hallo Harry.
Harry: Wo machst’n rum?
Daniel: Na hier so. Spazieren.
Harry: Spazieren? Haha, du bist mir ein Komiker!
Daniel: Ja. Was machst du so?
Harry (umarmend): Na was schon? Bier petzen und Lotto!
Daniel (fast im Schwitzkasten): Und, schon was gewonnen?
Harry: Nee. Aber letztes Jahr im Freigang, da bin zum Goldesel Wettbüro: Pferdewetten. Vierhundert Euro kassiert, mein Lieber. Die Wichser!
Daniel: Welche Wichser?
Harry: Die vom Goldesel! Wollten erst nicht bezahlen. Gab’s gleich auf die Fresse, und gut war’s.
Daniel: Ach so. Für im Freigang aber nicht schlecht. Was haste gemacht?
Harry: In’n Puff! Zwei Stunden, dann wieder ab nach Tegel. Haha!
Daniel: Das Glück muss man erst mal haben im Freigang.
Harry: Worauf du einen lassen kannst!
Daniel: So. Muss jetzt mal weiter.
Harry: Wieso?
Daniel: Hab noch was zu erledigen.
Harry: Kein Bier?
Daniel: Nee Harry, hab noch nicht gefrühstückt.
Harry: Noch nicht gefrühstückt! Du bist mir ne Flitzpiepe! Naja, dann zisch mal ab!
Daniel: Ja Harry. Bis demnächst.

Auch wenn die Stimmung und mein Leben immer ein bisschen auf der Kippe stehen: Ich treffe Harry gerne. Erinnert mich an früher.



Bei Harry (nicht im Bild) ist schon mal mit Gegenwind zu rechnen.



11.27 Uhr

Frühstück am Velodrom: Berliner Knacker mit Senf.
Eine Frau kommt vorbei und mir bekannt vor. Sie lächelt mich an.
Daniel: Wir kennen uns.
Frau: Ja, vom +*#-\´“%Action
Hab kein Wort verstanden. Irgendwas mit Action? Bin aber zu faul, um nachzuhaken. Außerdem scheint die Sonne so schön.
Daniel (in den Knacker beißend): Mhm.
Die Frau geht komisch weiter.


Die Frau ist auf diesem Bild nicht zu sehen.



12.05 Uhr – 12.34 Uhr

Beim Gang nach Hause führt mich eine groteske Assoziationskette nach Pisa. Wie auf Knopfdruck fällt mir dabei dieses Haus auf: Es steht ebenso schief herum, wie der in Pisa befindliche, allseits bekannte Turm.


Schief.



15.10 Uhr

Auf einem kleinen Umweg checke ich noch Harrys letzte Freigangs-Aktivität. Ernüchternd.

Goldesel
"Gab's gleich was auf die Fresse, und gut war's."






23.45 Uhr

Weil ich aus Angst um das schiefe Haus (Umfallgefahr) nicht schlafen kann, gehe ich noch einmal nach dem Rechten sehen. Zum Glück war meine Sorge völlig unberechtigt!
Das Haus steht noch immer, und überrascht mit einer weiteren Sensation!
Hier wird Weihnachtsbeleuchtung noch ernst genommen.



Weihnachtsbeleuchtung ernst genommen.



Samstag, 28. Dezember 2013
Zwischen den Jahren
Eine kalte, kleine Sonne taucht die Stadt in unwirkliches Licht. Wie auf einem weit entfernten Planeten. Zum Beispiel Neptun. Die Erde ist zwischen die Jahre gerutscht; depressiv klemmt sie fest, hat sich in der Stille verschachtelt.
Ein Hund hat sich selbst auf die Mauer gemalt. So versteckt er sich geschickt vor den zwischen den Jahren herumgeisternden Endzeitimpressionen.


Zwischen die Jahre gerutscht: Die Erde als Neptun



Zwischen den Jahren brodelt es kühl. Da steht alles noch aus, da hält sich alles im Singular Konjunktiv Plusquamperfekt Passiv wie nasse Wäsche auf der Leine.
Zeit für Spekulationen: Ist dieser Vulkan noch aktiv?






Es zieht sich, das Zwischen den Jahren, wie auf Schienen dahin. Wo das alles hinführt, kann mit Bestimmtheit noch nicht gesagt werden. Nach vorne? Nach hinten? Im Kreis? Ins Ableben?


Auf Schienen ins Ableben? Oder doch nur die Ringbahn?



Allem Pessimismus zum Trotz haben amerikanische Wissenschaftler ein Licht am Ende von „Zwischen den Jahren“ entdeckt. Zwar verstreiche die Zeit im Endzeitspektrum „Zwischen den Jahren“ langsamer als bisher vermutet, wie mir ein weitsichtiger Herr auf Nachfrage beim MIT (Massachusetts Institute of Technology) unlängst erklärte, um eine Schleife (Ringbahn-Theorie) handele es sich hierbei jedoch nicht. Vielmehr spreche man bei diesem Phänomen von einem Tunneleffekt. Eine Information komme dabei am Ende eines Tunnels heraus, noch bevor sie am Anfang hineingeschickt wurde. Faszinierend!


Licht am Ende des Tunnels. Faszinierend!